Torsten Herbst

Jeder 5. Fahrgast im DB-Fernverkehr hatte 2018 mehr als 15 Minuten Verspätung – Bundesregierung unterstützt ‚Pofalla-Wende‘

 Zur Anfrage der FDP-Bundestagsfraktion über die Entwicklung Reisendenpünktlichkeit im Fernverkehr der Deutschen Bahn erklärt der sächsische FDP-Bundestagsabgeordnete und Obmann im Verkehrsausschuss, Torsten Herbst:

„Dass die Deutsche Bahn im Jahr 2018 weit hinten den eigenen Pünktlichkeitszielen geblieben ist, war bereits bekannt. Wenn allerdings jeder 5. Fahrgast sein Ziel mit mehr als 15 Minuten Verspätung erreicht, ist dies ein alarmierendes Zeichen für die Attraktivität des Schienenverkehrs in Deutschland. Erschreckend ist außerdem, dass die sogenannte ‚Pofalla-Wende‘, bei der Züge bereits vor Erreichung des eigentlichen Zielbahnhofes umkehren, aus Sicht der Bundesregierung „nicht zu beanstanden sei“. Nur ein Quasi-Monopolist wie die DB kann es sich erlauben, seine Kunden mit solchen Maßnahmen im wahrsten Sinne des Wortes im Regen stehen zu lassen.

Es wird immer deutlicher, dass der Schienenverkehr in Deutschland ohne eine deutliche Kursänderung die an ihn gerichteten Ziele nicht erreichen kann. Gebraucht wird daher eine echte Bahnreform 2.0, die sowohl die Infrastruktur finanziell stärkt und neu organisiert, als auch eine grundlegende Organisationsreform des DB-Konzerns beinhaltet. Zur Finanzierung der anstehenden Investitionen müssen zunächst die nicht betriebsnotwendigen Unternehmensbeteiligungen der DB AG, wie zum Beispiel Arriva und das Lkw-Logistikgeschäft der DB Schenker, verkauft werden. Darüber hinaus ist aber auch der Bund bei der digitalen Infrastruktur stärker als bisher gefordert, um die Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit der Schiene spürbar zu verbessern.“

Hintergrund:

Die Pünktlichkeit kann nach Zügen und tatsächlich betroffenen Reisenden ermittelt werden. Für die Berechnung der Reisendenpünktlichkeit werden die Daten aller Fernzüge der DB AG im Gegensatz zur betrieblichen Pünktlichkeit nicht nur gemessen, sondern auch simuliert und berechnet. Dazu werden die täglichen Buchungsdaten von ca. 270.000 Reisenden mit den Pünktlichkeitsdaten der ca. 7.000 Fernverkehrshalte verknüpft, ausfallende und Ersatzzüge berücksichtigt und für jeden nicht erreichten Anschluss konkrete Alternativverbindungen ermittelt und bewertet.

Antwort der Bundesregierung