Torsten Herbst

Scheuers Forderung nach 100 Prozent Ökostrom bei der Bahn ist reiner Klima-Aktionismus – 43 Prozent des Bahnstroms stammen aktuell aus konventioneller Erzeugung

 Zum aktuellen Vorstoß von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer, die Deutsche Bahn AG schon bis 2038 statt bis 2050 komplett auf Ökostrom umzustellen und zur Antwort der Bundesregierung auf eine FDP-Anfrage zum Bahnstrommix, erklärt der sächsische Bundestagsabgeordnete und Obmann der FDP-Fraktion im Ausschuss für Verkehr und digitale Infrastruktur, Torsten Herbst:

„Die Vorstellung von Minister Scheuer, dass sich die Deutsche Bahn bis 2038 allein durch regenerativen Strom versorgen soll, ist reiner Klima-Aktionismus. Gerade die Bahn als einer der größten Stromabnehmer Deutschlands ist in besonderem Maße auf eine sichere und bezahlbare Energieversorgung angewiesen. Aktuell werden rund 43 Prozent des Bahnstroms konventionell erzeugt. Bis heute ist völlig unklar, wie der Bahnstrom aus deutschen Stromquellen nach einem vorzeitigem Ausstieg aus Atom- und Kohleverstromung garantiert werden soll. Zudem sind derzeit nur 60,9 Prozent des deutschen Schienennetzes überhaupt elektrifiziert.  

Wer wie Verkehrsminister Scheuer eine einhundertprozentige Versorgung durch Erneuerbare Energien verspricht, beweist seine eigene Unkenntnis über die Energieversorgung in Deutschland. Die wetterbedingt extrem schwankende Einspeisung von Solar- und Windenergie stellt keine ausreichende gesicherte Leistung für den kompletten Bahnbetrieb zur Verfügung. Aufgrund der großen benötigten Strommenge kommen auch keine herkömmlichen Batteriespeicher in Frage. Hohe Ökostromziele könnten nur durch den Zukauf von Grünstrom oder Grünstromzertifikaten aus anderen Ländern erfüllt werden - und das wäre dann eine Öko-Augenwischerei.

Sinnvoller wäre stattdessen eine Einbeziehung des Verkehrssektors einschließlich der Bahn in das europäischen Handelssystem für CO2-Emissionszertifikate (ETS). Dieses bietet schon jetzt einen CO2-Deckel, der kontinuierlich abgesenkt wird.“

 

Hintergrund:

Der Strommix der Deutschen Bahn AG setzte sich im Jahr 2018 aus 57,2 Prozent erneuerbaren Energien und 42,8 Prozent konventionellen Energien zusammen. Dies geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf Anfrage der FDP-Bundestagsfraktion hervor. 

 

Antwort der Bundesregierung